Lyrische Momente mit Anette Esposito
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Diesmal

 

(Triologie)

 

Noch einmal zog er an dem Stummel,

dann drückte er ihn schweigend aus,

ihm überdrüssig war der Rummel,

erhob sich still und ging hinaus.

 

Die Kneipe war ihm heut zuwider,

beschloss, nicht mehr dort hin zu gehn.

Geschwollen, seine Augenlider,

der Alkohol, ihm anzusehn.

 

Die Luft schlug kalt ihm, feucht entgegen.

Er zog den Mantelkragen hoch,

schritt schwankend durch den Nieselregen.

Wie sinnlos war das alles doch.

 

So oft wollt er ganz neu beginnen.

Er dachte nach, `s wär an der Zeit.

Und diesmal würd‘ es ihm gelingen,

nahm er sich vor, ganz fest - bereit.

 

Nun stand er still bei der Laterne.

Ihm war auf einmal gar nicht gut.

Er sah den Bus in weiter Ferne.

Den würd er nehmen gleich, nur Mut.

 

Zu Hause wollt‘ er mit ihr sprechen,

wie schon so oft. Würd‘ sie verzeih’n?

Denn oft schon brach er sein Versprechen.

Würd diesmal es genauso sein?

 

Wohl ahnte er die stillen Tränen,

die heimlich sie doch stets vergoss.

Doch nie tat sie den Schmerz erwähnen,

der an ihr nagte, sie verdross.

 

Er seufzte laut, konnt‘  kurz ihn spüren

und hielt ihn fest, nur ein‘ Moment.

Der Bus stand nun mit off’nen Türen

vor ihm, den man den Trinker nennt.

 

Entschlossen tritt er auf die Stufen.

Auch diesmal steigt er wieder ein.

Da hört er seinen Namen rufen -

Nein! Diesmal soll es anders sein.

 

Sein Blick erfasst den Trinkkumpanen,

der wankend winkt im Lampenlicht.

Der weiß ja nichts, kann nicht erahnen

was in ihm vorgeht, diesmal nicht.

 

Er sieht die Flasche lockend blitzen

und zögert, kämpft mit sich… jedoch

- nie wieder soll sie ihn besitzen-

dreht er sich um. Nur diesmal noch…

 

***

 

Die Zeit war weit schon fortgeschritten.

Er sah zur Uhr, fast schlug es vier.

Noch immer saß er dort inmitten

von Kneipendunst und Flaschenbier.

 

Er lallte zwischen Schnaps und Halben

und log den andern was ins Ohr,

begrapschte ein paar „ Bordsteinschwalben“

und eine nahm er sich dann vor.

 

Gelächter war im Raum zu hören.

Man nannte ihn „den Supermann“

Er schien sich nicht daran zu stören,

hob hoch das Glas und man stieß an.

 

Als nun das Nass die Kehle kühlte,

da sah er plötzlich ihr Gesicht,

ganz kurz am Fenster, und er fühlte,

wie er verlor sein Gleichgewicht.

 

Erschrocken sprang er auf vom Hocker,

hielt noch sich an der Flasche fest,

stieß Kopf an Kopf mit einem Zocker.

Das gab ihm offenbar den Rest.

 

Er taumelte und fiel zur Seite.

Jäh schien ernüchtert er zu sein.

Der gläsern‘ Blick entfloh ins Weite,

hinaus durch dunst’gen Lampenschein.

 

Und diesmal stand er auf alleine.

 -Sie durfte doch nicht einfach gehn -

Wie Blei erschienen ihm die Beine,

doch konnt‘ er wieder gerade stehn.

 

Er lief hinaus, war wie von Sinnen.

„ Bleib bei mir, geh nicht einfach fort.

Ich werd‘ dem Alkohol entrinnen

und schwör dir‘s hier an diesem Ort!“

 

Verzweifelt schrie er in den Regen.

Schon dreht‘ sie müde ihr Gesicht.

Doch als er schwankte ihr entgegen,

da sagte sie nur: „Diesmal nicht!“

 

***

 

Schon viele Jahre sind vergangen,

seitdem sie damals ihn verließ.

Noch immer kämpft er mit Verlangen

und oftmals er an Grenzen stieß.

 

Auf seinem Schrank steht eine Flasche.

Doch hat er sie nie angerührt.

Sie lockt beständig mit der Lasche

und hätte ihn sehr gern verführt.

 

So oft hat er sie stehen sehen

mit vielen Tränen im Gesicht.

Könnt er die Zeit zurück nur drehen

bevor er hörte: „Diesmal nicht“.

 

Wie immer kommen ihm Gedanken,

wenn er versinkt in Traurigkeit

und lassen seinen Vorsatz wanken.

Nur einmal…, wegen Einsamkeit.

 

Ermüdet sinkt er auf den Sessel.

Die Flasche steht zum Greifen nah.

Die Sucht beschleicht ihn, hält die Fessel,

umlauert ihn, steht wartend da.

 

Wie oft muss er noch wiederstehen?

Und wieder tobt es in ihm wild.

Er kann sich selber nicht verstehen.

Entmutigt blickt er auf das Bild.

 

Soll er letztendlich… soll er nicht?

Vom Ringen will er einmal ruhn.

Ihr silbern‘ Etikett besticht…

Wird er es diesmal wieder tun?

 

Sucht

 

Die Sucht als solche, wenn sie reift,

die nach so manchem Menschen greift,

erweist sich meist als ein Problem,

das sicherlich nicht angenehm.

Mit Alkohol, gleich Nikotin

Tabletten, Drogen ohnehin,

verfällt man ihrer Sympathie

und merkt es selber meistens nie.

 

Am Anfang wird nur ausprobiert,

dabei noch nichts von ihr verspürt,

beim nächsten male auch noch nicht,

als dass man „süchtig“ hiervon spricht.

Ob Neugier, mit dabei zu sein,

man lässt sich weiter auf sie ein,

erkennt mit Sicherheit  nicht klar,

dass man begibt sich in Gefahr.

 

Gewohnheit stellt sich baldigst ein,

will ständiger Begleiter sein,

bis dass man‘s merkt und sich verspricht:

Ab morgen übe ich Verzicht.

Nur stellt sich das doch sichtlich schwer:

Je mehr man‘s will jedoch, je mehr

bedrängt nun dies als Potential

und im Verzicht vermehrt sich Qual.

 

Der Kampf zum Scheitern scheint bestimmt,

drum wieder man ein wenig nimmt,

um, was zu überwinden gilt

mit kleiner Dosis lieber stillt,

worauf man dafür in Beweis,

schon wieder steckt im Teufelskreis,

dass wieder sich nun vor man nimmt:

Beim nächsten Mal schaff ich‘s bestimmt.

 

Doch eine Sucht möcht ich behalten.

Sie darf sich größer auch entfalten

und soll ergreifen mich, beseelen,

darf mich besitzen und auch quälen,

begleiten mich nach überall,

bezwingen mich im tiefen Fall.

Die gönne ich alleine mir.

Mein Schatz - das ist die Sucht nach dir!

 

Angst

 

Wo Nebel durch Alleen schweifen

in Abendstunden  feuchtem Kalt,

um Häuser graue Schatten streifen,

die nach den letzten Lichtern greifen,

erscheint sie, schaurig an Gestalt.

 

Sie lauert zwischen Mauern, Hängen,

auf den, der jetzt noch einsam geht,

umringt ihr Opfer mit Bedrängen

und sät den Wahn in irren Zwängen,

der sichtbar in den Augen steht.

 

Und hat sie eins in ihren Krallen,

wird Schreckensfantasie genährt,

- Dämonen, Geister, Stricke, Fallen,

gespensterhaft in Gräuelhallen -

die Todesfurcht in ihm gebärt.

 

Verzweiflung drängt sie zu vertreiben.

Der Kampf mit ihr erweist sich hart.

Sie wird nicht weichen, will verbleiben,

will es der Ohnmacht überschreiben

und Panik füllt die Gegenwart.

 

Entkräftet sucht es zu entfliehen,

aus Blei sind Beine, schwer der Tritt.

Wie gern würd es sich ihr entziehen -

Ist einmal ihre Saat gediehen,

wird jeder Schritt zum Höllenritt.

 

Eifersucht

 

Mit Schmerz durchdringt ein spitzer Speer

das Herz gefüllt von Lieb‘.

Gefühle, wirr, und um es her,

rankt sich der Leiden Trieb.

 

Voll Blutes nimmt es nicht gewahr,

dass dies geschieht mit List.

Die Eifersucht, die sich gebar,

nicht mehr zu stillen ist.

 

Verzweiflung greift’s, an Kummer reich,

und reißt es tief hinab,

wo bald im Sturz sich öffnet gleich

der sterbend‘ Liebe Grab.

 

Ob sich ein Grund begründend zeigt,

liegt vielmals im Geheim‘.

Verletzter Stolz, der oft geneigt

zu bilden sich den Reim.

 

Wo liegt Vertrauen, wo sein Sinn?

Die Liebe dran zerbricht.

Mit Leidenschaft zieht nun dahin

Erkenntnis, klare Sicht.

 

Auch Eifersucht ist Leidenschaft,

der man von Herzen frönt.

Doch sucht sie nur, was Leiden schafft,

nicht das, was Liebe krönt.

 

Lässt man im Herzen Raume ihr,

nur einen Funken zu,

zerstört er wie ein wildes Tier,

das, was man liebt  im Nu.

 

Hat man, von Liebe involviert,

als Basis sie bedacht,

verliert, Vertrauen integriert,

die Eifersucht an Macht.

 

 

Einsamkeit  

 

Einsam liegt sie in dem Bette,

ganz allein, wie abgestellt.

Um den Hals trägt sie die Kette

mit dem Knopf zur Außenwelt.

 

Dreimal kommt man sie zu pflegen,

jeden Tag, zur gleichen Stund‘.

Dürft sie heut noch Wünsche hegen,

hätt sie einen nur: „Gesund“.

 

Gitter hatte man gezogen,

links und rechts, gefängnisgleich,

Um das Leben jetzt betrogen,

 scheint sie an Erfahrung reich.

 

Wann kommt auch ein liebes Wesen

zu Besuch? Es wäre schön.

War es lang doch her gewesen,

dass sie hörte: “Wiedersehn“.

 

Wieder zieht ein Tag vorüber.

Morgen, Mittag, Abend, Spät.

Wartend geht ihr Blick hinüber

zu dem Zeitenmessgerät.

 

Ihre Kinder wohnen ferne,

zogen früh von ihr hinaus.

Ach, wie hätte sie jetzt gerne

alle um sich, hier zu Haus.

 

Ab und zu nur hört sie leise

eines mal am Telefon.

Und ihr scheint die Art und Weise

undankbar, als Frechheit schon.

 

Manchmal fängt sie an zu grübeln:

Hab ich denn was falsch gemacht?

Kann man mir es denn verübeln,

dass ich auch an mich gedacht?

 

Gab ich nicht in meiner Jugend

auch genügend für sie hin?

Wo bleibt hier die gute Tugend,

Pflicht im Elternliebessinn?

 

Zittrig greift sie in die Tasche,

unterm Plumeau, an der Wand,

öffnet langsam ihre Lasche,

nimmt das Sparbuch in die Hand.

 

Setzt sich ihre Lesebrille

vor die Augen, auf die Nas.

Geld zu mehren, war ihr Wille

und die Summe zeigt ihr das.

 

Schwer und müde sind die Lider

und sie schließt sie ein‘ Moment.

Da erblickt sie plötzlich wieder

die Gestalt, die sie schon kennt.

 

Wartend, dort in einer Ecke,

doch ist sie noch nicht bereit.

Fröstelnd zieht sie an der Decke,

angstbedrückt in Frömmigkeit.

 

Noch ihr Sparbuch fest umklammert,

lag sie da auf kühlem Weiß.

Niemand hat geweint, gejammert.

Einsam starb sie, `s war der Preis.

 

Und im Nachruf war zu lesen:

„Gott vergib ihr gnädig, warm!

Ist sie auch sehr reich gewesen,

war im Herzen sie doch arm“.

 

Am Krankenbett

 

Nun lieg ich still, kann nichts mehr tun,

doch wäre es sehr nett,

setzte sich hier, um auszuruhen,

mal jemand an mein Bett.

Was ich zu meinem Leben brauch’

hab’ ich alles, das ist wahr.

In meiner Nase liegt ein Schlauch,

der ist zum Atmen da.

 

In meiner Blase ist ein zweiter

zum Ablaufen für den Urin

und in dem Magen steckt nun weiter

einer für die Nahrung drin.

Meine Arme sind schon blau,

weil links der Tropf mit Flüssigkeit

und rechts, ich weiß es ganz genau,

ein Beutel Blut steht da bereit.

 

Angeschlossen an Maschinen,

die meine Lebensfunktion schreiben.

Die kann ich leider nicht bedienen,

weil ich im Bett muss liegen bleiben.

Ich hätte sie längst abgestellt,

um zu verlassen diese Welt.

Auf diese Art ist es nicht schön

weiter noch hindurchzugeh’n.

 

Der Arzt kommt täglich, fragt: „Wie steht’s?“,

mit einem kurzen Händedruck.

Zeit hat er nicht, denn weiter geht’s.

Das ist doch schließlich schon genug.

 Verordnet schnell noch mehr Tabletten,

die mich vor meinem Tod soll’n retten.

 

Ich frag mich ernsthaft: Hat das Sinn,

da ich schon in dem Alter bin,

wo ruhig man doch diese Welt,

verlassen könnt, weil’s Gott gefällt?

Wenn er bestimmt, dass es jetzt Zeit,

bin ich zum Sterben gern bereit.

 

Die Medizin ist gut und wichtig

für manche Krankheit, das ist richtig.

Sehr oft wird sie jedoch zum Fluch,

bei jedem weiteren Versuch,

so lange wie man es nur kann,

um Leben zu verlängern dann.

 

Viel schöner es doch schließlich wär’,

nähm’ man sich Zeit zum Reden her.

Mit einem Lächeln im Gesicht,

ab und zu mal mit mir spricht.

Und dann, es brauchte nicht viel Zeit,

für ein Gebet man wär’ bereit,

damit die Qual hier bald ein Ende,

mich anvertraut in Gottes Hände.

 

Diese Art von Menschlichkeit -

traurig ist’s, sie liegt sehr weit!

 

Die Andere

 Ich werd’ es wohl niemals verstehen.

Sie hatte ihn listig betört.

Sein tägliches Ablaufgeschehen

war früh, schon im Ansatz gestört.

 

Der Reiz hatte in ihm entzündet

ein Feuer, das rasch ihn verzehrt‘ .

Mein Bitten, auf Hoffen gegründet,

wurd‘ Asche im flammenden Herd.

 

Erst dacht` ich, ich könnte ersticken

die Funken der feurigen Glut,

erflehte mit tränenden Blicken

zu stählen den schwankenden Mut.

 

Doch wollt’ es mir nicht mehr gelingen.

Mich lähmte ein grausamer Schmerz.

Vergebens, mein Betteln und Ringen.

Das Feuer verbrannte sein Herz.

 

Nun süchtig, der Droge verfallen,

erlag er dem Rausch ihrer Macht.

Er hasste mein angstvolles Krallen,

die bitteren Tränen der Nacht.

 

Dann konnt’ er ihr nicht mehr entrinnen.

Sein Wille erstarb in dem Bann.

Verlieren heißt manchmal gewinnen.

Nicht gleich, doch bestimmt irgendwann.

 



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